Samstag, 08.08.2009
Zahltag
Auch wenn ansonsten das Verwaltungs- und Steuerwesen in der DR Kongo vieles zu wünschen übrig lässt, pünktlich zum Monatsbeginn dürfen wir die Abgaben auf die Gehälter vom Vormonat begleichen. Wegen chronischen Personalausfalls in unserer Administration, musste ich gestern in persona die Zahlung vornehmen.
Neben den Sozialabgaben, bei welchen sich unsere kongolesischen Kollegen zu Recht fragen, wie viel sie davon je in einer Rentenauszahlung wieder sehen, bezahlen wir auch Einkommenssteuern. Diese werden über das Banksystem direkt an die Hauptstadt Kinshasa abgeführt. Ich hatte einen Termin für 9:00 Uhr ausgemacht - und sass um 9:15 Uhr immer noch vor verschlossenem Büro. Als der erste Angstellte eintrudelte, sah er sich in der Pflicht, den Chef an den Termin mit der Muzungu zu erinnern. Selbstverständlich waren seine Telefoneinheiten leer. Eine chronische Amtskrankheit im Kongo. Ich lieh ihm mein Telefon. Kurz darauf eilte der Vorgesetzte heran und wir nahmen an einem heillos überfüllen Schreibtisch Platz.
Es galt eine wichtige Verhandlung zu führen, denn wir wollen in Zukunft unsere Steuern in Dollar bezahlen. Das macht Sinn, wenn man bedenkt, dass unser Abgabenbetrag in der Landeswährung sage und schreibe 1'552'100 Kongolesische Franc ausmachen. In Worten: Eine Million Fünfhundertzweiundfünfzig Tausend und Einhundert Franc. Tatsächlich erwartet man von uns, auf Isiros Strassen eine Wechselstube zu suchen, die nicht mehr als ein einfacher Bretterverschlag ist und dort dann Geldscheine abzuzählen. Stundenlang. Und dann mit gefüllten Plastiktüten zur Bank zu trotten, wo es erneut per Hand gezählt wird. Nochmal stundenlang. Der grösste kongolesische Geldschein im Umlauf ist ein 500 Franc Schein...
Und wenn wir den Betrag auf der Bank in Dollar einzahlen? "Ah..., hm..., also.... das wäre uns auch nicht so Recht, denn die Bank in Isiro hat leider einen niedrigeren Wechselkurs als in der Hauptstadt." Viel gewandtes Verhandeln, charmantes Lächeln und ausholendes Erklären später verspricht mir mein Gegenüber zumindest, beim Oberchef vorzusprechen. Er rufe mich gegen Abend zurück.
Der Anruf kam bereits zehn Minuten später. Alles in Ordnung, man habe sich entschieden, unserer Bitte zu entsprechen und ich könnte schlussendlich die Zahlung in Dollar vornehmen. Ich verspüre ein leichtes Erfolgsgefühl. Am Abend erklärt mir eine SMS auf dem Telefon so einiges: "Fräulein Suzanne. Ich denke gerade an Sie. Gestatten Sie mir, Sie wiederzusehen?"
von peek um # 15:37 in Berufliches
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